#weekendwriting

Find ich eine super Übung und habe mitgemacht. 5 Minuten Bild ansehen, 15 Minuten schreiben. Das ist meine Geschichte.

Das Monsterhundefenster

Es war eigentlich noch viel zu früh für Süßes oder Saures – es war ja noch nicht einmal dunkel draußen. Aber ihre Mutter hatte zu tun und hatte Hendrik und seine zwei Brüder kurzerhand hinausgeschmissen. Jakob trug sein altes Leintuch eher wie ein Capé als wie ein Gespenst und hatte seine Monstermaske aufgesetzt. Tim hatte den alten Mantel des Großvaters und eine merkwürdige, halbkaputte Zombiefratze auf. Er trödelte bei den Stufen zum Hinterhof herum, unschlüssig,  was er mit der ungewohnten Freizeit anfangen sollte. Hendrik liebte Halloween. Es war der einzige Tag des Jahres an dem er für sein Humpeln und den leichten Buckel Anerkennung statt Mitleid oder Verachtung bekam. Unter der Hexenmaske fühlte er sich sicher, der Stock als Stütze, aber auch als Waffe zu gebrauchen, erschien ihm wie ein Zauberstab zu einem anderen Reich.

Sie kickten ein paar Steine und Blechdosen lustlos im Innenhof herum und schielten wie immer neugierig in das dunkle Kellerfenster. „Da hält einer Monsterhunde, ich weiß es!“, behauptete Jakob „Die kommen dann in der Nacht raus und fressen den Letzten! Uah!“ „Warum den Letzten?“, fragte Hendrik „Na, weil der am langsamsten ist“, feixte Jakob. Hendrik schluckte. Der Langsamste, das war natürlich er. Frustriert schmiss er seinen Hexenstock in die Ecke. Es dämmerte. „Komm jetzt, sei kein Frosch! Du bist doch immer der Beste bei Halloween. Da stauben wir so richtig ab!“ Sein Bruder Tim zerrte an seiner Schulter. Hendrik stand auf und humpelte zu der Ecke, in der der Hexenstab lag. Doch der lag nicht dort. Er stand aufrecht vor dem Monsterhundefenster.

Als er ihn fassen wollte, wurde er von einem eigenartigen Sog erfasst und stürzte in die Tiefe. Er kniff die Augen zusammen, hielt die Luft an. Als er blinzelte, sah er vor sich einen riesigen, zotteligen Hund mit glühenden Augen. Im Maul hielt er seinen Hexenstab. Er sprang auf und wollte weglaufen, prallte aber gegen die Wand. „Warum laufen, wenn du fliegen kannst!“, raunte der Hund. Hendrik griff nach dem Stock und sauste in die Luft. Er schaffte es, sich rittlings hinauf zu setzen und düste lachend durch das offene Fenster. „Wer ist jetzt der Letzte, wen fressen jetzt die Hunde?“, rief er seinen Brüdern zu. Dann riss er den Nachbarskindern ihre Süßigkeiten aus der Hand, drehte eine Runde um die Kirchturmspitze und traf mit einer Kaugummipackung haargenau den affigen Zylinder des Organisten, der auf dem Weg zur Kirche war.

Kreatives Schreiben: Weekend Writing #107

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