Viele Fragen zur Arbeitsmarktgestaltung

Als ich – über 40 Jahre alt, gekündigt wurde, war mir gleich klar, dass die Zeit ohne Job eine lange, vielleicht lebenslange werden würde.
Über 40 Jahre, zwei relativ junge Kinder und den offiziellen Status „alleinerziehend“ und jetzt auch noch arbeitslos.
Offiziell sage ich deswegen, da ich viel weniger allein mit der Erziehung bin, als so manche Elternpaare, wo einer einen 60 Stunden plus Job hat. Familien, in denen es keine Großeltern, Onkeln, Tanten, Neffen gibt und der andere Elternteil keine Betreuungszeiten übernehmen will oder kann.
Trotzdem: Frühmorgens- und Spätabends-Schichten sind zumindest einen Teil der Woche nicht drin, Wechseldienste eine Herausforderung und eigentlich nur bewältigbar, wenn das gezahlte Gehalt zusätzliche Betreuungskosten deckt. Bei Reinigungsdiensten, Verkaufstätigkeiten und Callcentern unwahrscheinlich.
Und ja, die Gehaltsentwicklung der letzten Jahre ist so miserabel, dass auch in Jobs, die Fremdsprachen, Fachschulen oder gar Studienabschlüsse verlangen, die Gehälter kaum höher sind. Ich habe das letzte Mal vor acht Jahren einen Job gesucht und stelle fest, die gebotenen Gehälter haben sich nicht erhöht, teilweise sind sie sogar niedriger. Das kann man von den Lebenserhaltungskosten nicht behaupten. Dient ja alles dazu, den Wirtschaftsstandort Österreich zu sichern – behauptet die Wirtschaftskammer. Blöd nur, dass in einer globalisierten Welt noch billiger immer geht und die niedrige Kaufkraft dann trotzdem die heimische Wirtschaft ruiniert. Ich finde: wer 40h arbeitet, sollte zumindest ein Einkommen haben, von dem eine eigene Wohnung und normale Lebenshaltungskosten gedeckt sind. Vermieter haben zum Beispiel gern die dreifache Summe der Miete am Gehaltszettel stehen. Für alle, die auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen sind: Wer verdient mindestens 1500 netto? Und wieviele nicht?
Hier rufen die Wirtschaftstreibenden dann doch gerne den Staat auf, günstige Wohnungen zu bauen und Mietbeihilfen zu finanzieren! Jenen Staat, der einer Marionette gleich an ihren Fäden tanzt.

Langfristige Mitarbeiter noch gefragt?

Der Trost meiner Kollegen, dass ja meine Familienplanung zumindest abgeschlossen sei, ist lieb gemeint, wirft aber die Frage auf: Sind langfristige Mitarbeiter überhaupt noch erwünscht? Ist gerade in der Kreativbranche jung, flexibel, zu allem bereit und trendbewusst DAS Kriterium?

Wieso ist die Arbeits- und Wirtschaftswelt noch immer auf Menschen zwischen 20 und 30, am besten ungebunden ausgerichtet, wenn doch klar ist, dass ein Großteil der Gesellschaft älter ist und soziale Verpflichtungen hat?
Um dann zu jammern, dass ein immer kleiner werdender Teil von Arbeitenden für immer mehr Menschen Sorge tragen muss? Wann wird es selbstverständlich sein, ein Leben außerhalb des Berufs zu haben, egal ob nun soziales Engagement, Freunde, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige Zeit brauchen? Diese demographische Entwicklung ist doch sehr lange bekannt. Trotzdem stürzen sich Konzerne und Marketingabteilungen mit Verbissenheit in die immergleiche Aufgabe, das Marktsegment der jungen Bestverdiener zu erobern – einer Minderheit!

Gehaltsentwicklung und ältere Mitarbeiter

Ein Teil der Unbeliebtheit älterer Arbeitnehmer ist natürlich der Gehaltsentwicklung geschuldet. Berufsgruppen, die einen Kollektivvertrag haben, verdienen mit jedem Berufsjahr automatisch mehr. Selbst wenn sich die Tätigkeit nicht ändert und der Arbeitnehmer sogar bereit wäre, für weniger Geld zu arbeiten. Früher hat das noch der Pension gutgetan. Heute erschwert das Alt und Jung gleichermaßen das Leben. Lebenslange Positionen sind sehr selten, Jobsuche ist keine einmalige Angelegenheit und Lebensumstände und Bedürfnisse lassen sich nicht eindeutig an einem Alter festmachen. Bezahlt werden sollte nach geforderter Qualifikation und Jobdeskription, egal ob jemand 25 oder 55 ist, dafür aber die Einstiegsgehälter, die dann keine mehr wären, wesentlich höher angesetzt werden. Wichtig ist, ob jemand den Anforderungen entspricht und nicht, ob er genau diesen Job schon 20 Jahre gemacht hat.

Wie gehe ich in meiner Situation mit all diesen Fragen um? Experimentell und empirisch! Da ich kaum etwas zu verlieren habe, kann ich Bewerbungsschreiben und Bewerbungssituation dazu nützen, sie zu erforschen und probieren, was funktioniert.

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One thought on “Viele Fragen zur Arbeitsmarktgestaltung”

  1. Ich bestreite ja gar nicht, dass es das auch gibt. Schade, dass du das aus dme Text einfach so ableitest. Meine Jungs spielen auch mit der Kinderküche und putzen gerne. Kannst dich ja noch ein bisschen auf dem Blog umsehen

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