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Seemannsgarn

Da war es. Das Land. Wieder ein Berg, wieder Schnee und Klippen, peitschender Wind  –  aber eine Hoffnung auf ein zuhause, einen Anker nach dem Herumirren auf See. Sie wollten keine Wale mehr, keinen Tran, keine eiskalt umspülten Füße, keine rissigen Hände,keine tränenden Augen und Abends dumm in der Kajüte die immer gleichen Geschichten, der Rum, die stinkenden ewig feuchten Kleider. Björn sehnte sich nach einer guten Stube, einer  warmen Mahlzeit ohne Büchsengeschmack und ein warmes stilles Bett, damit das Brausen in seinem Kopf endlich aufhörte.  Dieses Zischen und Tosen, dieser ohrenbetäubender Krach am Meer.
Mit was für Hoffnungen er aufgebrochen war: er würde wohlhabend werden, ein Abenteurer, der den jungen Damen etwas zu erzählen hatte, ein Held, bewundert von den Damen, der Stolz der Eltern, die dank seines Mutes hinaus in die Welt zu rudern, ein angenehmes  Alter und gut versorgte Enkeln hätten. Das war fünf Jahre her. Und nun? Das Schiff war gekentert, niemand verlangte nach mutigen Walfängern, er war ein ungebildeter Idiot am Rande seiner körperlichen Kräfte. Seine Eltern glaubten ihn tot. Die jungen Damen würden ihn vielleicht interessant, aber nicht als Familienoberhaupt in Betracht ziehen. Er konnte nicht einmal Seemannsgarn spinnen, denn niemand wußte, was für eine Sprache in diesem Stück Land, auf das sie zusteuerten und das so fern seines Heimatbodens lag, gesprochen wird.  Gescheitert, dröhnte es in seinem Kopf. Immer wieder prallte der Satz gegen seine Schädelwände wie die Wellen gegen das Schiff. Wütend trat er gegen die Reling. Er würde sich rächen, er wusste bloß nicht an wem.