Be more than your gender!

Mehr Chancen ein ganzer Mensch zu sein statt einer besseren Hälfte

Das wünsche ich mir für uns alle!
Über 2000 Jahre Selbstzensur und doch genug!

  • Die Chance alle Fähigkeiten und Eigenheiten zu entwickeln und zu leben unabhängig davon, welchem Geschlecht sie als typisch zugeordnet werden.
  • Die Chance als Mensch mit individuellen Eigenschaften, Vorlieben und Talenten wahrgenommen, nicht als Frau oder Mann in ein Korsett gezwängt zu werden.

    Nicht Gleichmacherei ist hier das Thema sondern das Leben der Individualität

    Das Geschlecht ist nur im medizinischen Bereich wirklich relevant – im restlichen Leben handelt es sich nur um eine willkürliche Zuschreibung an Rollenbildern und Eigenschaften, die einengend, unzureichend und diskriminierend sind. Für Männer und Frauen.

    Wer denkt, wir hätten das schon hinter uns gelassen, irrt. Ob Kinderkleidung oder Konstruktionsspiele – von Geburt an wird getrennt, und zwar stärker denn je. Das lila Fahrrad meines Sohnes ist immer wieder ein Grund zur Rechtfertigung. Da es der Industrie mehr Geld bringt, wenn Kindersachen nicht geschlechtsunabhängig weitergegeben werden, lässt sich das doppelte Geschäft machen.

    Die gleichen Handschuhe in unterschiedlichen Farben – vergiss es! Mir wird die Wahl zwischen Rosa und Blau gelassen, bei zwei Kindern unterschiedlichen Geschlechts und Größe, die ihre Handschuhe nicht verwechseln sollen, aber doch die gleichen haben wollen,  bin ich schon wieder mittendrin im Rollencliché.

    An Farben werden Eigenschaften geknüpft. „Mein blaues Fahrrad fährt sicher schneller!“, meinte so ein Knirps neulich. Es war keine Bosheit, sondern der Versuch einer logischen Erklärung für eine täglich eingeimpfte „Wahrheit“. „Buben sind schneller. Blau ist eine Bubenfarbe. Daher ist ein blaues Fahrrad schneller als ein lila.“ Es muss nicht einmal jemand laut aussprechen, die Welt ist so lange derart gestaltet, dass jeglicher Versuch der Verhaltensänderung schon im Keim erstickt wird. „Buben sind mehr für Autos und Kämpfen“, erklärte mir meine Tochter schon nach einem Jahr Kindergarten, spielte aber Zuhause dann doch gern Autos. Der Sohn ist ein sehr fürsorglicher Puppenpapa, allerdings nur, wenn seine Schwester das Spiel initiiert, sonst umsorgt er Teddybären und Hasen – die Puppen bleiben unangetastet. Die Piratenschultasche ist cool im eigenen Kinderzimmer, bereitete aber in der Schule anfangs Kummer – ein paar Kindern war sie nicht „Mädchen“ genug.

    Umdenken, die eigenen Bilder im Kopf zu ändern ist schwer. Verhaltensänderungen provozieren Konflikte, da sie das Umfeld zwingen, Gewohntes zu hinterfragen.

    Seit einigen Jahren gibt auch von der Stadt Wien Bemühungen:
    www.wien.gv.at/menschen/gendermainstreaming/beispiele/kindergaerten.html
    Leider werden sie oft lächerlich gemacht, als unnütze Geldverschwendung tituliert. Ob jetzt alle schwul werden sollen …
    Trotzdem wird Conchita Wurst stolz als Ikone der Toleranz gefeiert. Mich hingegen entsetzt es, wie Menschen, die als Mann sozialisiert wurden, die Frauenrolle definieren: High Hehls, Glimmer, Kleider, große Emotionen, Make-up und Kochen für den Mann zuhause. Der Transgender als Karikatur eines Superweibes – eine Watschen für alle Frauen, die sich gegen Clichés wehren.

    Wie wäre es, wenn die Begriffe schwul, transgender, lesbisch überhaupt aus unserem Sprachschatz verschwänden, da sie nicht mehr notwendig wären? Wenn sich Menschen begegneten und nicht Männer und Frauen?

    Der Weg dorthin erscheint mir endlos und es macht mich wütend. Nicht einmal Gleichberechtigung ist eine Selbstverständlichkeit. In vielen Teilen der Welt sind Frauen ein Objekt, das Männern gehört. Selbst in Zentraleuropa gelten Frauen alleine, solange sie nicht mit Männern unterwegs sind. „Seid ihr alleine da?“ Ledig für unverheiratet – lediglich als abwertender Ausdruck für nur, wenig. Ein Zustand, der sich schnell ändern sollte, indem die bessere Hälfte gesucht wird.

    Es brauchte in Europa über 1900 Jahre, Frauen ein Wahlrecht zu geben – wie viele tausend Jahre wird es brauchen, Mensch zu werden?