#seemannsgarn #weekendwriting

Seemannsgarn

Da war es. Das Land. Wieder ein Berg, wieder Schnee und Klippen, peitschender Wind  –  aber eine Hoffnung auf ein zuhause, einen Anker nach dem Herumirren auf See. Sie wollten keine Wale mehr, keinen Tran, keine eiskalt umspülten Füße, keine rissigen Hände,keine tränenden Augen und Abends dumm in der Kajüte die immer gleichen Geschichten, der Rum, die stinkenden ewig feuchten Kleider. Björn sehnte sich nach einer guten Stube, einer  warmen Mahlzeit ohne Büchsengeschmack und ein warmes stilles Bett, damit das Brausen in seinem Kopf endlich aufhörte.  Dieses Zischen und Tosen, dieser ohrenbetäubender Krach am Meer.
Mit was für Hoffnungen er aufgebrochen war: er würde wohlhabend werden, ein Abenteurer, der den jungen Damen etwas zu erzählen hatte, ein Held, bewundert von den Damen, der Stolz der Eltern, die dank seines Mutes hinaus in die Welt zu rudern, ein angenehmes  Alter und gut versorgte Enkeln hätten. Das war fünf Jahre her. Und nun? Das Schiff war gekentert, niemand verlangte nach mutigen Walfängern, er war ein ungebildeter Idiot am Rande seiner körperlichen Kräfte. Seine Eltern glaubten ihn tot. Die jungen Damen würden ihn vielleicht interessant, aber nicht als Familienoberhaupt in Betracht ziehen. Er konnte nicht einmal Seemannsgarn spinnen, denn niemand wußte, was für eine Sprache in diesem Stück Land, auf das sie zusteuerten und das so fern seines Heimatbodens lag, gesprochen wird.  Gescheitert, dröhnte es in seinem Kopf. Immer wieder prallte der Satz gegen seine Schädelwände wie die Wellen gegen das Schiff. Wütend trat er gegen die Reling. Er würde sich rächen, er wusste bloß nicht an wem.

#weekendwriting

Find ich eine super Übung und habe mitgemacht. 5 Minuten Bild ansehen, 15 Minuten schreiben. Das ist meine Geschichte.

Das Monsterhundefenster

Es war eigentlich noch viel zu früh für Süßes oder Saures – es war ja noch nicht einmal dunkel draußen. Aber ihre Mutter hatte zu tun und hatte Hendrik und seine zwei Brüder kurzerhand hinausgeschmissen. Jakob trug sein altes Leintuch eher wie ein Capé als wie ein Gespenst und hatte seine Monstermaske aufgesetzt. Tim hatte den alten Mantel des Großvaters und eine merkwürdige, halbkaputte Zombiefratze auf. Er trödelte bei den Stufen zum Hinterhof herum, unschlüssig,  was er mit der ungewohnten Freizeit anfangen sollte. Hendrik liebte Halloween. Es war der einzige Tag des Jahres an dem er für sein Humpeln und den leichten Buckel Anerkennung statt Mitleid oder Verachtung bekam. Unter der Hexenmaske fühlte er sich sicher, der Stock als Stütze, aber auch als Waffe zu gebrauchen, erschien ihm wie ein Zauberstab zu einem anderen Reich.

Sie kickten ein paar Steine und Blechdosen lustlos im Innenhof herum und schielten wie immer neugierig in das dunkle Kellerfenster. „Da hält einer Monsterhunde, ich weiß es!“, behauptete Jakob „Die kommen dann in der Nacht raus und fressen den Letzten! Uah!“ „Warum den Letzten?“, fragte Hendrik „Na, weil der am langsamsten ist“, feixte Jakob. Hendrik schluckte. Der Langsamste, das war natürlich er. Frustriert schmiss er seinen Hexenstock in die Ecke. Es dämmerte. „Komm jetzt, sei kein Frosch! Du bist doch immer der Beste bei Halloween. Da stauben wir so richtig ab!“ Sein Bruder Tim zerrte an seiner Schulter. Hendrik stand auf und humpelte zu der Ecke, in der der Hexenstab lag. Doch der lag nicht dort. Er stand aufrecht vor dem Monsterhundefenster.

Als er ihn fassen wollte, wurde er von einem eigenartigen Sog erfasst und stürzte in die Tiefe. Er kniff die Augen zusammen, hielt die Luft an. Als er blinzelte, sah er vor sich einen riesigen, zotteligen Hund mit glühenden Augen. Im Maul hielt er seinen Hexenstab. Er sprang auf und wollte weglaufen, prallte aber gegen die Wand. „Warum laufen, wenn du fliegen kannst!“, raunte der Hund. Hendrik griff nach dem Stock und sauste in die Luft. Er schaffte es, sich rittlings hinauf zu setzen und düste lachend durch das offene Fenster. „Wer ist jetzt der Letzte, wen fressen jetzt die Hunde?“, rief er seinen Brüdern zu. Dann riss er den Nachbarskindern ihre Süßigkeiten aus der Hand, drehte eine Runde um die Kirchturmspitze und traf mit einer Kaugummipackung haargenau den affigen Zylinder des Organisten, der auf dem Weg zur Kirche war.

Kreatives Schreiben: Weekend Writing #107

Hund, Rabe und Igel

Eine Kinderbuch zum Thema Aufbruch. Ursprünglich als Theaterprojekt angedacht. Die Illustrationen sindzur Abwechslung mit Buntstiften gefertigt und haben nichts mit den Grafik-Illus im Businessbereich zu tun.

Der Hund

Der schwarzgetupfte Hund Fleckerl lebte mit einem alten Seemann in einem Leuchtturm auf einer Halbinsel. Der Leuchtturm war rot-weiß, hoch und stand an einem langen Strand, so wie sich das für einen Leuchtturm gehört.
Von der Spitze des Leuchtturmes konnte Fleckerl das Land und das Meer überblicken. Sein Herrchen hatte rauhe Hände, einen strubbeligen Bart und roch nach Rauch, Salz und Wurst. Sie liebten einander und für Fleckerl war der Geruch des Mannes sein Zuhause.

Früher machte der Seemann öfters Spaziergänge mit ihm, aber dann wurde er müde und blieb länger im Bett. Fleckerl trottete allein am Strand auf und ab und steckte seine Nase in Löcher und Fischabfälle. Am Abend kuschelte er sich zu dem alten Mann ins Bett.

Eines Tages stand dieser nicht mehr auf und roch auch nicht mehr nach Zuhause. Zwei Menschen kamen und nahmen ihn mit.
Der schwarzgetupfte Hund war alleine und sehr traurig. Er war so traurig, dass er nicht mehr spazieren gehen wollte. So traurig, dass er nicht fressen wollte. Er legte sich stattdessen vor die Türe des Leuchtturmes und rührte sich nicht, weil selbst das Atmen in seiner Brust schmerzte. Er hoffte, die Welt möge stehen bleiben und begriff nicht, wieso jeden Tag die Sonne aufging, obwohl es in ihm drinnen doch so dunkel war.
So lag er still mit geschlossenen Augen und wartete, dass es heller wurde.

Der Rabe

Nach vielen Tagen wachte Fleckerl von einem „Kling, Kling“ auf. Ein Rabe versuchte mit kleinen Steinen eine Muschel zu knacken und traf immer wieder die Futterschüssel des Hundes. Die Sonne wärmte Fleckerl das Fell und kitzelte ihn in der Nase. Er öffnete die Augen und schielte zu dem Raben hinüber.

Der Rabe hieß Rosa und hüpfte ein paar Schritte seitwärts, plusterte sein Gefieder auf und krächzte laut. „KRAH!“ Der Hund erhob sich, trottete zu der Muschel und roch daran. Rosa tänzelte nervös. Fleckerl nieste und schaute auf das Meer. Es war heute blitzblau. Er setzte sich auf die Hinterpfoten und staunte. Dann trottete er zur Bucht hinunter, holte einen großen Stein und legte ihn neben die Muschel. Rosa war auf eine kleine Mauer geflogen und beobachtete das Tun des Hundes aufgebracht. „Wuff!“, bellte Fleckerl und legte sich wieder hin.

Vorsichtig trippelte der Vogel heran und versuchte den Stein in seinen Schnabel zu nehmen. Fleckerl seufzte resigniert.
„Nimm die Muschel und schlag sie auf den Stein!“ „Krah! Den Stein auf die Muschel, den Stein auf die Muschel, so machen das die Raben. Der Oparabe, der Omarabe, Mamarabe, Paparabe, Onkelrabe, alle Raben. Ich bin ein Rabe! KRAH.“
„Versuch es einfach!“, knurrte der Hund. Rosa sträubte das Gefieder, trippelte um die Muschel herum, drehte den Kopf hin- und her. Dann nahm sie die Muschel in ihren Schnabel, flog höher und ließ sie auf den Stein fallen. Die Muschelschale zerbrach.
Rosa fraß und setzte sich neben Fleckerl in die Sonne.
Es war warm und der Hund war nicht mehr alleine.

Der Igel

Am nächsten Tag hatte Fleckerl Hunger. „Komm mit in den Wald, dort gibt es Mäuse und Kaninchen!“, krächzte seine neue Freundin. Der Hund seufzte ein bisschen, streckte und reckte sich und lief dem aufgeregten Raben hinterher. Er fraß ein bisschen Fisch am Strand, fing im Wald drei Mäuse und verschlang ein Sandwich aus einer Mülltonne des Picknickplatzes. Dann entdeckte er den Ball. Er sah fast so aus wie sein Spielball zuhause: rund, stachelig, bloß braun nicht rot. „Ein Ball! Ein Ball!“, rief er und sprang auf den Ball zu. „Ein Hund! Ein Hund!“, quiekte der Ball und rollte sich noch mehr zusammen. Fleckerl erstaunt, dass der Ball sprechen konnte, stieß ihn mit der Schnauze an.
„AUA!“ Was für ein stacheliger Ball! Der Ball, der eigentlich ein Igel war, rollte den Abhang hinunter und mitten in einen Berg Fallobst hinein. Die Äpfel klebten schwer an seinen Stacheln. Hilflos lag der Igel am Rücken und strampelte mit seinen kurzen Beinchen. Rosa flog hinunter und pikste den Igel neugierig in seinen weichen Igelbauch. „AUA! Geh weg! Ich steche dich. Na warte, ich tu dir auch weh. Geh weg!“ „Ich habe schon eine blutige Nase!“, beschwerte sich Fleckerl. Von mir aus, kannst du am Rücken liegen bleiben, bis der Fuchs dich frisst!“ „“Nein, nein, nein! Kein Fuchs. HILFE!“ „Jetzt hör doch auf zu schreien.“, beschwichtigte Rosa. Sie hüpfte um den Igel herum. „Ich könnte die Äpfel aus deinem komischen Fell herauspicken.“ „Aber dann pikse ich dich zurück!“, ereiferte sich Ines Igel „Na schön, dann pikst du mich eben – wenn du mich erwischt.“ Rosa begann die Apfelmasse zwischen den Stacheln  zu fressen.
„Ich kann niemanden stechen.“, grummelte der Hund.
Nach einer Weile, hatte der Rabe alle Äpfel von den Igelstacheln gepflückt. Das Stacheltier konnte sich wieder aufrichten. Ines ging zu dem Raben und stach ihn, fast sanft, in seine Kralle, so dass Rosa so gut wie nichts spürte. „So!“, sagte Ines.
Fleckerl kratzte sich hinter den Ohren. Der Igel schaute ihn interessiert an. „Hast du Flöhe? Denn einmal habe ich Flöhe gehabt. Und meine  Mama auch und der Opa, aber ich, ICH habe am mehrsten gehabt! Und dann, und dann hat mich die Mama in eine Lacke geschubst und UNTERGETAUCHT! Das war urschrecklich! Faaast wäre ich ertrunken. Wirklich! Bist du auch schon fast ertrunken?“ „Ich kann schwimmen, aber wahrscheinlich habe ich Flöhe“, sagte der Hund. „Vielleicht“, überlegte er, „sollte ich schwimmen gehen.“

Er wollte zurück gehen, doch da meinte der Rosa: „Dort hinter dem Hügel, ist auch Meer. Lass uns weiter gehen.“
„Ich will auch schwimmen“, rief Ines. „Aber du kannst doch gar nicht schwimmen“, staunte Rosa. „Ich kann in einer Lacke nicht schwimmen, weil Lacken so nass und blöd sind, aber im Meer kann ich wahrscheinlich schon schwimmen, denn im Meer kann ich bestimmt mehr schwimmen. Das sagt ja schon der Name: Meer!“, plapperte der Igel drauflos. Und so machten sich der Hund, der Rabe und der Igel auf den Weg zum Meer hinter dem Hügel.

Am Meer

Fleckerl stürmte auf das Meer zu und tauchte ein. Viele Flöhe verließen sein Fell. Der Rabe kreiste über dem Meer. Der Igel brauchte mit seinen kleinen Pfoten etwas länger zum Wasser, plantschte am Rand und ging bei der ersten Welle unter. Hätte sie Rosa nicht schnell an den Strand gebracht, wäre Ines ertrunken. „Mehr Wasser nutzt auch nichts!“, stellte sie fest. Zusammen beobachteten sie ein paar Kinder im Wasser. „Ich brauche eine Luftmatratze!, beschloss der Igel. „Schlechte Idee!“, brummte Fleckerl. „Warum??“ „Hol einen Luftballon wir zeigen es ihr“, sagte der Hund zum Raben. Der brachte einen Luftballon an einer langen Schnur. „Lehn dich mal an!, forderte Fleckerl Ines auf. „Peng!“, machte der Ballon. „Das war aber laut!“, beschwerte sich der Igel. „Aber mit einem Surfbrett, könnte es gehen!“, überlegte Rosa. „Was wohl hinter den Wellen ist?“, dachte Fleckerl laut nach. „Afrika!“, war der Rabe überzeugt.
„Afrika. Wie das wohl ist?“
„Ich will nach Afrika“, krakeelte der kleine Igel. „Eine Expedition. So, so. Das muss gut geplant sein.“, plusterte sich Rosa auf.

Der Aufbruch

Der Hund machte sich auf die Suche nach einem Surfbrett, während der Rabe Steine holte und im Sand aufreihte. Der kleine Igel holte für jeden großen Stein von Rosa einen kleinen Stein und legte ihn daneben. Als Fleckerl das Surfbrett hinter sich her zerrend, zurückkam, lagen im Sand vier große und vier kleine Steine. „Wozu die Steine?“, wunderte sich Fleckerl. „Na um die Muscheln aufzuklopfen! Ein Stein. Und ein Reservestein. Und ein Reserve-Reservestein. Und ein Reserve-Reserve-Reservestein.“ „Und ich auch!“, rief Ines fröhlich „Glaubst du, es gibt anderswo keine Steine?“, fragte der Vierbeiner „Das weiß man nicht sicher!“ „Zu schwer“, seufzte der Hund. „Nimm nur zwei Steine mit, sonst kann ich das Surfbrett nicht anschieben.“
Sie beschlossen, am nächsten Morgen aufzubrechen. Es wurde dunkel. Fleckerl rollte sich zusammen, der Igel rollte sich zusammen – der Rabe flog auf einen Ast und starrte auf das Meer. „Warum schläfst du nicht?“, brummte der Hund. „Ich passe auf, dass die Sonne nicht vergisst morgen aufzugehen!“, krächzte sie „Du läßt jeden Tag die Sonne aufgehen? Super!“, staunte der kleine Igel „Unsinn! Die Sonne geht so oder so auf!,“ polterte Fleckerl „Das weiß man nicht sicher. Bis jetzt hat ja immer irgendwo ein Rabe aufgepasst!“ „Dann wird doch auch heute irgendwo ein Rabe aufpassen. Schlaf lieber.“ „Aber nur vielleicht! Vielleicht aber auch heute nicht.“, schmollte Rosa und versuchte, zumindest mit einem Auge Richtung Osten zu schielen.
Rosa wachte auf als sie die Sonne am Schnabel kitzelte. „Jetzt ist sie zu früh aufgegangen, weil ich nicht aufgepasst habe!“, krähte sie dem Hund empört zu. Fleckerl hatte inzwischen ein kleines Körbchen am Surfbrett befestigt, in dem Ines saß und „Ahoi!“rief. Der Rabe platzierte zwei Steine am Brett, er versuchte noch einen dritten dazuzulegen, aber der Hund schubste diesen sofort hinunter. Dann schoben sie das Surfbrett in das Meer. Es war Ebbe und bald trieben sie ein gutes Stück von der Küste entfernt.
Rosa flog aufgeregt ein Stück voraus, um Ausschau zu halten, ob Afrika schon zu sehen sei. Es wurde heiß, Fleckerl wurde müde und ruhte sich am Surfbrett aus. Der Igel wurde ein bisschen seekrank. Die Sonne stieg hoch und begann wieder zu sinken. Alle waren durstig.
„Wo ist denn nun dieses Afrika?“, raunzte Ines.„Wellen, immer nur Wellen!“ , seufzte Fleckerl. „Land in Sicht!“, krähte Ines plötzlich.

Die Flut hatte eingesetzt und das Surfbrett ein Stück um die Halbinsel in Richtung Hafen getragen. Ein riesiges Schiff tutete und lief aus. „Das ist ein Schiff! Immensriesenmegagigantohundertmilliardengroooß“, staunte der Igel „Damit kann man sicher bis ans Ende der Welt fahren und sogar weiter.“Der Ozeandampfer wühlte das Meer auf und das Surfbrett fuhr auf den Wogen auf und ab wie auf einer Achterbahn. Es wurde in das Hafenbecken getrieben und zerschellte an der Kaimauer. Igel und Hund konnten sich mit letzter Kraft in ein kleines Ruderboot retten. „Mit dem Surfbrett kommen wir nicht mehr nach Hause“, stellte Fleckerl fest. Ines sagte nichts, sie schaute sich mit großen Augen um, denn im Hafen wurde gerade ein Schiff beladen.

Lastwägen, Autos, Motorräder verschwanden im Schiffsbauch. Koffer, Säcke, Sackerl und große, kleine, dicke, dünne, alte, junge Menschen
gingen, liefen, hüpften, schrien und trippelten dazwischen.

„Na kijk je, Kleener?“, sprach eine Schiffsratte, die eben ein Stück Käse an Bord bringen wollte, den kleinen Igel an. „Groooß.“, schnappte Ines nach Luft. „Wohin fährt denn das Schiff?“, wollte Fleckerl wissen. „Tot Egypte en de hele kust!“ „Afrika, Afrika!“, krächzte Rosa stolz. „Wir wollen mit!“, beschloss der Hund. „Mal kijcke, moet je wel wat voor doen! Kun je dragen?“ „Natürlich. Wir arbeiten alle zusammen.“ Und so geschah es.
Nach einer kleinen Stärkung – ein leerer Sack steht nicht – spießte Ines Käsestücke auf ihre Stacheln und trug sie in das Schiff, Fleckerl schleppte große Säcke und Rosa hob mit seinem Schnabel Netze hoch, pickte Muscheln heraus und behielt den Überblick.

Große Fahrt

Am Abend wurden die Landestege eingezogen, das Schiff tutete und lief endlich aus. Die drei Abenteurer standen an Deck, ließen sich die Meeresbrise um die Nasen wehen und schauten auf das Meer „Das Surfbrett ist kaputt. Wie werden wir wieder nach Hause kommen?“, fragte Ines Fleckerl. Der jedoch stupste den Igel an, schnupperte am Gefieder des Raben und meinte dann: „Ich bin schon zuhause.“ Und so war es.

Was bedeuten Gerüche für Fleckerl?
Warum glaubst du fühlt sich Fleckerl wie zuhause, obwohl er nicht im Leuchtturm ist?
Hast du schon einmal eine Reise gemacht?
Wie könnte die Geschichte weiter gehen?

Mundtot in der Mutterrolle

Sei selbstlos! Dein Körper ist nur ein Gefäß.

Mutterrolle: Ich war schwanger und zählte auf einmal nicht mehr. Als Individium ausgelöscht, denn ich war jetzt Mutter. Ich hatte eine Liste von Untersuchungen und Arztterminen, die vor allem sicherstellen sollten, dass ich gesund genug war und blieb, um das Kind zu gebären. Menschen schauten auf meinem Bauch und nicht mehr in die Augen. Wenn ich mich über etwas ärgerte, waren es die Hormone. Wenn ich mich kränkte, waren es die Hormone. Planen und vorbereiten sollte ich die Geburt und darüber hinaus bitte nichts mehr in meinem Leben, denn das war jetzt wirklich nicht mehr wichtig, oder?

Die Geburt meines ersten Kindes fühlte sich an wie Sterben. Die Geburt meines zweiten Kindes wie Vergewaltigung und Sterben wollen.

Das sagt man nicht. Ich hatte eine ganz normale natürliche Geburt. „Wunderschön“, wird dann in Geburtsberichten und von Hebammen so gerne verwendet. Ich hatte keine PDA, weil ich nicht mehr fähig war, während der Wehen seitenlange Zetteln zu lesen. Und dann war es zu spät. Ich hatte die Nächte davor schlecht geschlafen. Ich war seit 3.00 früh des Vortages munter und hatte, bei dieser ach so natürlichen Geburt, zunächst ein Schlafmittel (weil es ja noch nicht soweit sei), dann eine Glucoselösung, dann ein Antibiotika und noch irgendetwas bekommen. Niemand hat mich gefragt. Es wurde mir verabreicht. Meine Tochter kam um 5:00 zur Welt. Ich wartete auf das rauschhafte Glücksgefühl der neu erworbenen Mutterschaft, auf das große Vergessen des Schmerzes, aber ich war vor allem müde. Und geschockt von dieser fundamentalen Schmerzerfahrung und der Einsamkeit. Dass ich Schmerz sein konnte und nicht nur Schmerzen haben und dass drei Menschen um mich herum sein konnten und ich trotzdem ganz allein gewesen war. Ich war mir sicher, ich wusste jetzt wie Sterben geht.

Zwei Tage später traf ich am Gang eine Frau, die ich von der Geburtsvorbereitung kannte. Wir tauschten uns gerade zu unserer Geburtserfahrung aus, als eine weitere Bekannte, die zur Einleitung hier war, dazukam. Schlagartig verstummten wir. Ich dachte: Wenn ich ihr jetzt sage, dass es wirklich so weh tut, bekommt sie nie Wehen und es gibt ja doch kein Zurück mehr.

Mutterrolle notfalls medikamentös

Nach ein paar Stunden Schlaf, betrachtete ich das winzige Wesen an meiner Seite. Es überkam mich zunächst nicht Freude, sondern eiskalte Angst, ob ich der Mutterrolle gewachsen sei. Was um Himmels Willen, hatte sich dieses hilflose Geschöpf dabei gedacht, sein Leben in meine Verantwortung zu geben? Und was hatte ich mir dabei gedacht? Meine Tochter hatte offensichtlich auch Angst, denn sie hatte „Phasen, wo sie unberuhigbar ist“, wie mir die Kinderschwester bei der Entlassung mitteilte. Ein euphemistischer Ausdruck für „wir wissen auch nicht, warum sie plärrt“. Ich informierte mich. „Schreibabies schreien weil ihre Eltern nicht verstehen, was sie brauchen“, so lautete eine gängige These. Sie war kein Schreibaby nach klinischer Definition, aber nahe dran. Ein weiteres Selbstbild von mir ging den Bach runter: Bisher dachte ich, Kommunikation sei mein Metier, mein Thema, mein Talent und jetzt war ich offensichtlich nicht einmal imstande, mein eigenes Kind zu verstehen. Es war eine sehr mühsame Zeit bis meine Tochter buchstäblich endlich auf eigenen Beinen stand und mir wieder ein Stück eigenes Leben zugestanden wurde, über das Minimum hinaus, das sicherstellen sollte, meine Mutterrolle zu erfüllen.

Wenn ich diese Situation beklagte, mir Ruhe für das Beenden eines Satzes, eines Gedankens wünschte oder Erlebnisse und Themen außerhalb Kind, Mutterrolle, oder gar erwähnte, dass mich diese Co-Abhängigkeit entsetzlich nervte, ich mich fragte, ob mein Kind mit einer anderen Mutter, die all ihre mir unerklärlichen Launen verstand und duldete, besser dran wäre, wurden mir Medikamente empfohlen. Solche gegen Depressionen. Denn so zu empfinden war offensichtlich ein krankhafter Zustand. Muttersein ist per se wundervoll, sich Hingeben und Aufgeben, ein natürliches Bedürfnis. Wer nicht so empfindet, auch etwas anderes schaffen will, als ein neues Leben, muss per Medikamt wieder funktionstüchtig und auf Linie gebracht werden.  Ich bin und war aber nie komplett freudlos oder traurig, bloß wütend über dieses Gefängnis. Wütend sein ist auch depressiv, hieß es. Das macht es natürlich einfach für die herrschende Kaste, wenn alle negativen Gefühle, die aus Unterdrückung und dem Wunsch nach Selbstbestimmung entstehen, nicht berechtigte Gefühle sind, sondern therapierbare, hormonbedingte Krankheiten. Wie die Hysterie zu Freuds Zeiten.

Keine Selbstbestimmung

Kurz nachdem Abstillen, als ich meinen Wiedereinstieg plante, war ich wieder schwanger. Ich wollte zunächst nicht. Dann traf bei einem verregneten Spaziergang mit Kleinkind eine Frau, die hinter einem Baum weinte, weil die dritte Invitrobefruchtung wieder nicht geklappt hatte. Da schien es mir untragbar und schicksalhaft, ein Kind zu töten, wo doch gleichzeitig eine Frau am liebsten sterben wollte, weil sie keines hatte. Die Schwangerschaft verlief problemlos, auch wenn ich mich nächtelang fürchtete, erwägte, ob ich mich nach der Geburt nicht einfach davonstehlen sollte. „Mach keine Schwierigkeiten“, war der Auftrag, den mein Sohn schon vorgeburtlich zugeflüstert bekam.

Wochenlang hatte ich Wehen, aber so richtig kam nichts in Gang. Ich wollte einen Kaiserschnitt, hatte den Eindruck, wenn es körperlich ginge, wäre es schon passiert. Dass da etwas nicht stimme. „Das sei nicht gut für das Kind. Eine heftige Bauch-Op für die Mutter. Das Baby kommt, wenn es soweit sei.“ Mein Bauchgefühl zählte nichts. Ich kam zur Einleitung, war diesmal klug genug, darauf zu bestehen, das PDA-Formular vorher auszufüllen, was mir Missbilligung einbrachte. Ich bestand darauf, nicht länger als einen Tag einzuleiten. Der üblichen Litanei schleuderte ich: „Es ist aber schon noch mein Körper, über den ich bestimmen darf, oder?“ entgegen. Das brachte mir den offenen Hass der Hebamme ein, die mich später betreute. Was hatte ich auch hier zu wollen und zu wünschen, war ich doch bloß ein Gefäß der reinen Mutterschaft?!

Es folgte ein Horror von Wehenmittel – PDA – Wehenmittel. Ich durfte mich nicht so bewegen wie ich wollte, hatte Ganzkörperkrämpfe, wurde mal ruhiggestellt, um mich auszuruhen, dann wieder bis zum Anschlag mit Wehenmittel vollgepumpt. Ich hatte jedes Mitbestimmungsrecht über meinen Körper verloren. An mir wurde rumgezerrt, meine Bitten um einen Arzt/eine Ärztin ignoriert mit dem kaum versteckten Hinweis, dass frau Hebamme das hier alleine schaffe. Der Kindsvater kämpfte nicht für mich, sondern duckmäuserte. Dass er nicht da war, als ich ihn brauchte, hat unserer Beziehung endgültig in den Abgrund geschubst. Irgendwann, nach 8h Wehen im 2 Minuten-Takt, kam dann ein Arzt, der innerhalb von zwei Minuten feststellte, dass mein Sohn ein Sterngucker war und „er ihn da auch nicht durchbekommt“. Nach der nächsten Wehe, fielen dann die Herztöne auf die Hälfte (Nabelschnur um den Hals) und wir waren ein Notfall. Ein sehr dringender Notfall: ich habe den Anästhesisten brüllen gehört. Ich fühlte mich schuldig. Schuldig nicht mehr gekämpft zu haben für mein Bauchgefühl. Schuldig dieses Kind nicht gewollt zu haben und jetzt dafür bestraft zu werden. Er lebte und war gesund. Ich hasse Hebammen und wenn jemand von alternativ-natürlicher Hausgeburt anfängt, verlasse ich den Raum. Alternativ- natürlich wäre mein Kind tot oder schwerstbehindert.

Raus mit euch, ich bestimme!

Ein paar Menschen wollten mir dann einreden, Kaiserschnitt sei eine traumatisierende Erfahrung. Frau fühle sich minderwertig, da sie es nicht natürlich (=schmerzreich, leidend – hallo Erbsünde!) geschafft hätte. Nein. Ich war wütend, dass mich niemand eher ernst genommen hat. Ich war entäuscht, dass mein Partner kein Kampfgefährte war. Ich war erleichtert, dass mein Kind lebte. Auf einmal wollte ich es und niemanden mehr, der mir sagte, wie ich zu fühlen und was ich zu tun hatte. Eine Kinderschwester durfte zum Wickeln kommen, alle Hebammen und Stillberaterinnen habe ich verbal zur Tür rausgetreten.  Ich habe auf ein paar Tage Krankenhaus bestanden (Fernbedienung und Essen auf Knopfdruck) und das Angebot einer Hebamme für zuhause abgelehnt. Mein Vorschlag, uns stattdessen eine Haushaltshilfe zu schicken, wurde ignoriert. Es ging darum mich mir meine Mutterrolle beizubringen, nicht darum, Zeit zu schaffen, sie selbst zu definieren. Mein Sohn war ein sehr pflegeleichtes Baby. Die Kaiserschnittnarbe hat mir nie Probleme gemacht. Ich habe mich viel rascher erholt, als nach meiner ersten Geburt.

Ich will nicht mehr gefallen müssen.

Mir geht die Mutterrolle und die damit verbundenen Rollenbilder noch immer gegen den Strich. Wieder ein Anspruch an meine Weiblichkeit, dem ich nicht gerecht werde. Ich will alleine schlafen. Ich will Zeit zum Denken haben. Ich will nicht dauernd hüpfen, wenn ein Kind „Mama!“ schreit. „Ich bin nicht euer Sklave“, brülle ich meine Kinder häufig an und viel zu oft treibt mich mein ungeduldiger Wunsch nach Freiheit dazu, autoritär einzufordern, gehässig zu fluchen, statt meinen Kindern das Leben zu ermöglichen, das ich mir für sie so wünsche: eines voller Abenteuer und Ausprobieren, Möglichkeiten und Vertrauen. Trotzdem: Ich will mich nicht von anderen messen und bestimmen lassen. Ob ich eine „richtige“ Frau bin oder eine „richtige“ Mutter. Ob ich begehrenswert bin. Oder gestylt genug.

Ich beanspruche, meine Zeit auf Erden nicht damit zu verschwenden, zu gefallen. Ich will nicht mehr gefallen müssen.

 

Be more than your gender!

Mehr Chancen ein ganzer Mensch zu sein statt einer besseren Hälfte

Das wünsche ich mir für uns alle!
Über 2000 Jahre Selbstzensur und doch genug!

  • Die Chance alle Fähigkeiten und Eigenheiten zu entwickeln und zu leben unabhängig davon, welchem Geschlecht sie als typisch zugeordnet werden.
  • Die Chance als Mensch mit individuellen Eigenschaften, Vorlieben und Talenten wahrgenommen, nicht als Frau oder Mann in ein Korsett gezwängt zu werden.

    Nicht Gleichmacherei ist hier das Thema sondern das Leben der Individualität

    Das Geschlecht ist nur im medizinischen Bereich wirklich relevant – im restlichen Leben handelt es sich nur um eine willkürliche Zuschreibung an Rollenbildern und Eigenschaften, die einengend, unzureichend und diskriminierend sind. Für Männer und Frauen.

    Wer denkt, wir hätten das schon hinter uns gelassen, irrt. Ob Kinderkleidung oder Konstruktionsspiele – von Geburt an wird getrennt, und zwar stärker denn je. Das lila Fahrrad meines Sohnes ist immer wieder ein Grund zur Rechtfertigung. Da es der Industrie mehr Geld bringt, wenn Kindersachen nicht geschlechtsunabhängig weitergegeben werden, lässt sich das doppelte Geschäft machen.

    Die gleichen Handschuhe in unterschiedlichen Farben – vergiss es! Mir wird die Wahl zwischen Rosa und Blau gelassen, bei zwei Kindern unterschiedlichen Geschlechts und Größe, die ihre Handschuhe nicht verwechseln sollen, aber doch die gleichen haben wollen,  bin ich schon wieder mittendrin im Rollencliché.

    An Farben werden Eigenschaften geknüpft. „Mein blaues Fahrrad fährt sicher schneller!“, meinte so ein Knirps neulich. Es war keine Bosheit, sondern der Versuch einer logischen Erklärung für eine täglich eingeimpfte „Wahrheit“. „Buben sind schneller. Blau ist eine Bubenfarbe. Daher ist ein blaues Fahrrad schneller als ein lila.“ Es muss nicht einmal jemand laut aussprechen, die Welt ist so lange derart gestaltet, dass jeglicher Versuch der Verhaltensänderung schon im Keim erstickt wird. „Buben sind mehr für Autos und Kämpfen“, erklärte mir meine Tochter schon nach einem Jahr Kindergarten, spielte aber Zuhause dann doch gern Autos. Der Sohn ist ein sehr fürsorglicher Puppenpapa, allerdings nur, wenn seine Schwester das Spiel initiiert, sonst umsorgt er Teddybären und Hasen – die Puppen bleiben unangetastet. Die Piratenschultasche ist cool im eigenen Kinderzimmer, bereitete aber in der Schule anfangs Kummer – ein paar Kindern war sie nicht „Mädchen“ genug.

    Umdenken, die eigenen Bilder im Kopf zu ändern ist schwer. Verhaltensänderungen provozieren Konflikte, da sie das Umfeld zwingen, Gewohntes zu hinterfragen.

    Seit einigen Jahren gibt auch von der Stadt Wien Bemühungen:
    www.wien.gv.at/menschen/gendermainstreaming/beispiele/kindergaerten.html
    Leider werden sie oft lächerlich gemacht, als unnütze Geldverschwendung tituliert. Ob jetzt alle schwul werden sollen …
    Trotzdem wird Conchita Wurst stolz als Ikone der Toleranz gefeiert. Mich hingegen entsetzt es, wie Menschen, die als Mann sozialisiert wurden, die Frauenrolle definieren: High Hehls, Glimmer, Kleider, große Emotionen, Make-up und Kochen für den Mann zuhause. Der Transgender als Karikatur eines Superweibes – eine Watschen für alle Frauen, die sich gegen Clichés wehren.

    Wie wäre es, wenn die Begriffe schwul, transgender, lesbisch überhaupt aus unserem Sprachschatz verschwänden, da sie nicht mehr notwendig wären? Wenn sich Menschen begegneten und nicht Männer und Frauen?

    Der Weg dorthin erscheint mir endlos und es macht mich wütend. Nicht einmal Gleichberechtigung ist eine Selbstverständlichkeit. In vielen Teilen der Welt sind Frauen ein Objekt, das Männern gehört. Selbst in Zentraleuropa gelten Frauen alleine, solange sie nicht mit Männern unterwegs sind. „Seid ihr alleine da?“ Ledig für unverheiratet – lediglich als abwertender Ausdruck für nur, wenig. Ein Zustand, der sich schnell ändern sollte, indem die bessere Hälfte gesucht wird.

    Es brauchte in Europa über 1900 Jahre, Frauen ein Wahlrecht zu geben – wie viele tausend Jahre wird es brauchen, Mensch zu werden?

 

Skills oder Persönlichkeit – 6,5 Sekunden

Persönlichkeit als USP

6,5 Sekunden wenden Personalbeauftragte für eine Bewerbungsschreiben auf um danach zu entscheiden, ob sie sich weiter damit befassen und den /die Bewerber(in) einladen oder nicht. Der Bewerber braucht für sein Schreiben meist bedeutend länger. Eine Freundin von mir hatte daher die gute Idee, in ihrem Motivationsschreiben ausschließlich über ihre Persönlichkeit, Vorlieben und Charaktereigenschaften zu berichten. Mit Erfolg – sie wurde zu einem Gespräch eingeladen. Allerdings hat sie auch jahrelange Erfahrung in dem Job, für den sie sich beworben hat.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es ein offenes Schreiben, indem man zumindest auch zugibt, was man nicht kann (aber wie man gedenkt es zu lernen) oder zeitliche Ressourcen anspricht, zumindest aufmerksam macht.

Arbeitszeit ist für mich ein großes Thema. Ein 8-to-7-Job geht sich mit einem Kindergarten, der um 17.30 schließt nicht aus, abgesehen von anderen Dingen, die in einem Haushalt mit Kindern von Nichtpromis ohne eine Heer von Haushältern, Reinigungskräften, Nannys anfallen (Arztbesuche, Gewandkauf, Wäsche, gesunde Nahrungszubereitung, Hygiene).

In einem Motivationsschreiben habe ich einmal ausdrücklich betont, dass ich nicht gedenke im Unternehmen Familienanschluss und eine neue Meldeadresse zu finden, dafür aber eine sehr belastbare und zuverlässige Mitarbeiterin bin. Ich wurde eingeladen.

Neulich wurde ich eingeladen, weil die Gesprächspartnerin einen ehemaligen Kollegen und das Unternehmen in dem wir beide tätig gewesen sind, kennt.

Zu einem Gespräch kommt es meistens, wenn ich es geschafft habe, irgendeinen persönlichen Zugang zur Firma herzustellen. Jubelierende Kniefälle liegen mir nicht, aber es lohnt sich den ersten Satz mit etwas Persönlichem zu beginnen.

Der Spagat zwischen Persönlichkeit und Anforderungsprofil

Mitunter frage ich mich bei den vielen unterschiedlichen Anforderungen natürlich, ob sich statt laufender Fortbildung nicht eher ein Schauspielkurs lohnen würde, um glaubhaft die passende Persönlichkeit vermitteln zu können. Je nach Job, könnte ich dann überzeugend modeinteressiert in Highheels stöckeln mit dauerhaft auf Smartphone gesenktem Blick oder streng sachlich meine Zahlenaffinität betonen. (Ich hasse unbequeme Schuhe und Schuhe, die langsam machen, gehen gar nicht! Weiters muss ich schuldbewusst bekennen, dass ich noch nie das Bedürfnis hatte, ein Selfie zu machen. Ich weiß aber, so sollte ich nicht sein, sondern so wie alle anderen!)

So daneben liege ich da gar nicht, auch wenn die Sache mit den Videos seit Jahren nicht so recht in Schwung kommen will. Genützt werden Videos bisher hauptsächlich von Einsteigern. Ich glaube eben, dass bei 6,5 Sekunden nicht noch die Zeit da ist, ein Video anzusehen. Auch macht es die Vorauswahl durch eine Assistenz schwierig – aus diesem Grund schicke ich z.B. keine Weblinks sondern personalisierte Portfolios, wenn nötig. Die sind auf gängigen Bürodruckern problemlos zu drucken, taugen aber auch als Bildschirmpräsentation.

Annoncen richtig deuten

  1. Das, was zuerst steht ist am wichtigsten
  2. Selbstverständliches braucht man nicht hinschreiben

Aus meiner Erfahrung ist ein Unternehmen, das sich besonders mit seinem respektvollen Umgang mit Mitarbeitern brüstet, ein sehr unangenehmer Arbeitgeber. Einen respektvollen Umgang mit Menschen  setze ich voraus, wer es extra hinschreibt, für den ist es ein Punkt auf der Agenda, der noch zu bewältigen ist. Ich betone in meinem Anschreiben schließlich auch nicht, dass ich gedenke pünktlich zur Arbeit zu kommen und nach dem Klogang zu spülen.

Etwas Anderes ist es, spezielle Vergünstigungen wie Kantine, Jahreskarte oder Sportmöglichkeit aufzuzählen.

Habt ihr euch schon mal per Video beworben? Oder ein besonders ungewöhnliches Schreiben verfasst?

 

Herr Khol bringt mich zum Staunen

Heute habe ich beim Einkauf das biber mitgenommen. Ich mag diese Zeitschrift – sie bringt mir eine Welt näher, die mir sonst fremd ist, ermöglicht mir einen Einblick in die Jugendkultur und ist gut geschrieben. Einer meiner Lieblingskategorien „Interview in Zahlen“. Diesmal mit Bundespräsidentschaftskandidat Andreas Khol, ÖVP. Die ÖVP ist konservativ und unterstützt vorrangig die Interessen der Wirtschaftstreibenden – weniger die der kleinen Hungerleider, die mühsam ihre Körndln zampicken, sondern eher die der Industrie und Konzerne. Und was lese ich da? Einmal, zweimal, dreimal, weil ich es nicht glauben kann?

Wie viel sollte ein Arbeitnehmer für einen 40 Stunden Job mindestens netto im Monat verdienen?

Antwort Andreas Khol: 2400.

In Worten: Zweitausendvierhundert. Wo waren Sie Herr Khol, als Ihre Partei sogar 1000 Euro brutto als nicht umsetzbar, zu teuer, ablehnte? Der Wirtschaftsstandort Österreich…. Arbeitnehmer zu teuer.  Ja, ist dann das Argument, weil Arbeit zu hoch besteuert sei. Die andere Möglichkeit, Kapital in die Pflicht zu nehmen, löst aber umgehend Drohungen seitens der Konzerne aus, dass dann das Unternehmen leider abwandern müsse….Und nun? Von irgendwoher muss das Geld wohl kommen, für Schulen, Krankenhäuser, Straßen, U-Bahnen, Universitäten, Forschung…Herr Khol haben Sie das finanzielle Perpetuuum Mobile gefunden?
Ich muss scharf nachdenken, dass mir überhaupt jemand einfällt, der/die das netto verdient. Die meisten bekommen 2400 Euro nicht einmal brutto, trotz Fachausbildung.

Ist es nicht auch eher das konservative Eck, dass Mindestsicherungen kürzen will? Die liegt für ganze Familien übrigens weit unter 2400 Euro. Herr Khol, bitte teilen Sie ihren Vorschlag umgehend allen Arbeitgebern des Landes, ihrer Partei, der WKO und auch dem EU-Parlament mit! Dann finde ich meinen Glauben glatt wieder und zünde in der Kirche ein Kerzerl an!

 

Viele Fragen zur Arbeitsmarktgestaltung

Als ich – über 40 Jahre alt, gekündigt wurde, war mir gleich klar, dass die Zeit ohne Job eine lange, vielleicht lebenslange werden würde.
Über 40 Jahre, zwei relativ junge Kinder und den offiziellen Status „alleinerziehend“ und jetzt auch noch arbeitslos. Viele Fragen zur Arbeitsmarktgestaltung weiterlesen